Entstofflichungsrhetorik
“Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.”
Offenbarung 1, 17-18
Die christliche Rhetorik ist eine um- und einschließenden Rhetorik und eine Entstofflichungsrhetorik dazu, daher die Pfingstfeier. Im Alten Testament ist Gott bekanntlich oftmals ein Gott der Untersagung und der Bestrafung. Gottes Antwort auf den Turmbau zu Babel ist die Sprachverwirrung, ein Trennungs- und Zerstreuungsakt.
Hingegen besteht das Pfingstwunder auch aus einem Sprachwunder, nämlich der Fähigkeit andere Sprachen zu sprechen und zu verstehen. Ein universeller Code muss jedoch von der Stofflichkeit der Bedeutungsträger Abstand nehmen und die immateriellen Aspekte betonen: daher geht es von der heiligen Schrift, dem heiligen Buchstaben zum heiligen Geist; in christlicher Konsequenz auch: von der Wurzel, dem Boden zur Schwingung und zur Luft, von der Münze zur computergesteuerten Finanztransaktion, von der Berührung zur Internetpornographie. Das Pfingstwunder ist in vollem Gange.
28. März 2026