Himmelsvermittlung
Ein `reines` Medium ist, wie im Prinzip jedes richtige Medium, offen für alles. Deshalb gibt es auch gefallene Engel.
28. Februar 2017
Ein `reines` Medium ist, wie im Prinzip jedes richtige Medium, offen für alles. Deshalb gibt es auch gefallene Engel.
28. Februar 2017
"Allen Göttern, an die wir glauben - ob wir ungebildete Wilde sind oder intellektuell geschulte Menschen -, ist gemein, dass sie persönliche Ansprüche anerkennen."
William James. Die Vielfalt religiöser Erfahrung, Frankfurt/M. / Leipzig 1997 (1901/02), S. 478
Das Problem der industrialisierten Produktionsweise war, dass man die persönlichen Ansprüche produktionstechnisch nicht umsetzen und daher nicht anerkennen konnte. Im Zuge der Digitalisierung und Robotisierung ändert sich dies. Nicht nur Dienstleistungen, sondern auch die Warenwelt kann auf die Wünsche und Ansprüche des Einzelnen antworten. Schließlich gibt es Firmen, die sich dem Wunsch nach Unsterblichkeit annehmen und die Kunden - oder besser die Gläubigen - einfrieren, mit dem (vagen) Versprechen, dass diese sich in der Zukunft an einem neuen Leben erwärmen können.
31. Januar 2017
"Der Reichtum jedes echten Wortes, der eben doch niemals ein bloß verstreutes Vielerlei von Bedeutungen ist, sondern die einfache Einheit des Wesentlichen, hat seinen Grund darin, daß es Anfängliches nennt und jeder Anfang unerschöpflich und einzig zugleich ist."
Martin Heidegger: Hölderlins Hymne »Andenken«; Gesamtausgabe Band 52, Vittorio Klostermann, Frankfurt/M., 1982 (1941/1942); S. 15
Und alle sagen, schreiben, denken: was für ein schrecklich-wirres Jahr dieses 2016 doch war. Hingegen hoffnungsfrohe Worte für das nächste von einem Denker, den viele als Teil eines Problems und nicht einer Lösung sehen? Das obige Zitat von Martin Heidegger stammt aus einer Vorlesung, die er im Wintersemester 1941/42 gehalten hat, zu einer Zeit, in der der Krieg gegen die Sowjetunion auf Hochtouren läuft . Heidegger spricht in einer solch prekären Kriegs- und Krisenzeit über Hölderlins Hymne 'Andenken'. Eskapismus, Zynismus? Wohl kaum. Obiger Satz kann nicht nur in einer poetologischen, sondern auch in einer politischen Weise gelesen werden: Gegen die eine vorgebliche Wahrheit wird auf den unerschöpflichen Anfang verwiesen, dem zugleich in seiner spezifischen Einzigartigkeit auch eine besondere Adressierungs-Macht zukommt. Andenken,
31. Dezember 2016
"Das Bedürfnis gilt als Ursache für die Entstehung: in Wahrheit ist es oft nur eine Wirkung des Entstandenen."
Friedrich Nietzsche: Die Fröhliche Wissenschaft; Frankfurt/M. 1982 (1882); S.160 (§ 205)
Marketing ist keine Technik, die sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzt, um zum Beispiel Dinge zu bewerben. Marketing erschafft Wirklichkeit, primär die innere. Der Kaufimpuls muss im Konsumenten nicht nur aufgrund von - beispielsweise - Nützlichkeitserwägungen aufkeimen, denn diese sind begrenzt und schwankend. Vielmehr muss er auf etwas beruhen, das vom Konsumenten als ein Ureigenes identifiziert wird. Der nachträgliche Effekt wird zur vorgängigen Ursache. Vom: Das brauche ich - zum: das bin ich.
27. November 2016
“Man stelle sich einen Mann vor, der durch Veranlagung und Mißgeschick zu einer blassen Hoffnungslosigkeit neigt - kann irgendeine Beschäftigung geeigneter erscheinen, sie noch zu verstärken, als das fortwährende Umgehen mit unbestellbaren Briefen und ihr Sortieren für die Flammen?”
Herman Melville: Bartleby, der Schreiber, Frankfurt/M., Leipzig 2004 (1853), S. 73
Es gibt Tage, da scheint unser aller Tagesgeschäft daraus zu bestehen, unbestellbare Briefe mit uns herum zu tragen. Das Gebet als Flaschenpost der Seele?
30. Oktober 2016
“Optimist ist mit Notwendigkeit der, dessen Wille noch nicht reif ist für den Tod.”
Philipp Mainländer: Vom Verwesen der Welt und anderen Restposten, Walttrop und Leipzig 2004 (1874), S. 101
Ist das nun ein pessimistisch gefärbter Satz? Und wer ist schon reif für den Tod? Anfänglich, vor jeder Fraglichkeit des Seins (vor jeder Frage als Aufgabe der Philosophie) ein ursprüngliches Ja. Erst auf dieser Folie kann die Frage nach Optimismus oder Pessimismus gestellt werden. Unser Wille, der sich berufen fühlt, zu steuern, ist schon ans Ja-Leben verschuldet.
25. September 2016