“Die wahre und positive Bedeutung der Antinomien besteht nun überhaupt darin, dass alles Wirkliche entgegengesetzte Bestimmungen in sich enthält und dass somit das Erkennen und näher das Begreifen eines Gegenstandes eben nur soviel heißt, sich dessen als einer konkreten Einheit entgegengesetzter Bestimmungen bewußt zu werden.”
G.W.G. Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I; Frankfrut/M. 1989 (1830);S. 128
Gegen Kant führt Hegel hier ins Feld, dass dieser nur jene Antinomien in der Kritik behandelt - deren vier - , die Gegenstände der Kosmologie gewesen sind. Dagegen insistiert Hegel, dass in allen Gegenständen Antinomien zu finden sind. Das vergrößert das Freiheitsmoment, würde dieses bei Hegel nicht durch eine Verzeitlichungs-Strategie, durch das dialektische Moment, d.h. durch den Geschichtsprozess sich wieder schließen, die Sache an und auch für sich abschließend ruhen.
30. April 2016
“Sehr kurz und sorgenreich ist dagegen die Lebenszeit derjenigen, die das Vergangene vergessen, die Gegenwart vernachlässigen, vor der Zukunft Angst haben.”
Seneca: Das Leben ist kurz (De brevitate vitae); Stuttgart 2007 (58 n. Chr.), S. 55
Anthropologische Konstante: Ausgangs-Suche aus der kurzen und sorgenreichen Lebenszeit. Suche nach dem “es ist”. Und alles wieder verwickelt.
26. Februar 2016
“Wenig tröstet uns, weil wenig uns betrübt.”
Blaise Pascal: Gedanken; Köln 1988 (1658-1662); S. 34; 43/136
Genug Anlaß in der Welt, um den Trost auf die Probe zu stellen.
17. Januar 2016
“Keine Erfindung ist wohl dem Menschen leichter geworden als die eines Himmels.”
Georg Christoph Lichtenberg: Aphorismen; Stuttgart 1987 (1800-1806); S. 28 (L 206)
Wie ist der Satz gemeint: Der flüchtende oder der demütige Mensch?
27. Dezember 2015
“Schlaf ist ein Sakrament; denn er ist ein Akt des Vertrauens, und er ist eine Speise.”
G. K. Chesterton: Die Ehre des Israel Gow (in: Pater Brown und das blaue Kreuz); Zürich 1980 (1911); S. 158
Vertrauen darauf, dass wir wieder aufwachen; Vertrauen darauf, dass wir, so wir nicht mehr aufwachen, an anderer Stelle empfangen werden. Träumen.
8. November 2015
“Denn das Geringste, das man in Gott erkennt, etwa so, wie wenn einer an einer Blume erkennen würde, wie sie in Gott ihr Wesen hat, das wäre dann edler als die ganze übrige Welt: das Geringste aus dem Wesen Gottes zu erkennen, das ist besser als einen Engel zu erkennen.”
Meister Eckhart: Vom Wunder der Seele. Eine Auswahl; Stuttgart 1986 (1260-1328) S. 46 f.
Daher: niemals etwas außerhalb von Gott suchen. Das führt nach Eckehart nur zu Verengungen.
5. Oktober 2015