____schwingungsbreite__________________________________

    
 

Sichere Wahrheit

“Denn vor allem ist selbst jener Satz, den ich eben zur Regel genommen habe: dass nämlich alle Dinge, die wir sehr klar und sehr deutlich begreifen, wahr sind, nur deshalb sicher, weil Gott ist oder existiert und weil er ein vollkommenes Wesen ist und alles in uns von ihm herrührt.”
René Descartes: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunfgebrauchs; Stuttgart 1988 (1637); S. 37

Wenn die Metaphysik nach den letzten Gründen sucht, so fällt - ähnlich wie beim Thema Terrorismusbekämpfung - nicht zufällig der Begriff der Sicherheit.

13. September 2015

Suche suchen

“Nur in seinem Suchen selbst findet der Geist des Menschen das Geheimnis welches er sucht.”
Friedrich Schlegel: Lucinde; Stuttgart 1988 ( 1799), S. 96

Meistens bilden wir uns ein, auch wirklich etwas zu finden.

6. August 2015

Fragwürdigkeit ohne Eile

“Die Welt hier ist zwar recht fragwürdig, allein besondere Eile herauszukommen hat man nicht, denn erstens ist das Programm dessen, was nachher kommt, nicht recht klar, und zweitens bleibt es uns ja ohnehin.”
Eduard von Keyserling: Wellen, München 2004 (1911), S 71

Mehr Logik über unsere “Daseinsvorsorge” geht nicht.

17. Juli 2015

Bleiben alle gleich

“Wir sind sehr arm an Schwellenerfahrungen geworden.”
Walter Benjamin: Das Passagen-Werk, Erster Band; Frankfurt/M. 1983 (1927-40), S. 617

Was uns geblieben ist an Erfahrungen dieser Art, so Benjamin weiter: das Einschlafen. Sleep well.

4. Juni 2015

Zurück zu den Wurzeln

“Das Ziel alles Lebens ist der Tod, und zurückgreifend: Das Leblose war früher da als das Lebende.”
Sigmund Freud: Jenseits des Lustprinzips; in: Das Ich und das Es; Frankfurt/M. 1960 (1920), S. 147

Berühmtes und schwieriges Zitat von Freud, steht doch der Todestrieb im Kontext einer interessanten und verwickelten energetischen These. Gesetzt, dass wir die Triebe mit ungebundener Energie parallel führen, so stünde die Bindung, die Kanalisierung der Energie … nein, nicht ‘an und für sich’ im Dienst des Todestriebs. Dieser taucht spekulativ an der Stelle auf, wo sich ein Wiederholungszwang jenseits des Lustprinzips einstellt: bei der Arbeit?

21. Mai 2015

Erhaben genug

“Mann kann das Erhabene so beschreiben: es ist ein Gegenstand (der Natur), dessen Vorstellung das Gemüth bestimmt, sich die Unerreichbarkeit der Natur als Darstellung von Ideen zu denken.”
Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft; Köln 1995 (1790); S. 139

Kritik ist immer auch eine Untersuchung dessen, was fehlt (und konstruktive Kritik demnach eine, die alles wieder Ganz macht). Problem: die Kritik ist eine Herangehensweise, die das Fehlen sowohl voraussetzt als auch “produziert”. Beispiel: die kantsche Erhabenheit (s.o.).
Für Kant ensteht diese u.a. beim Anblick himmelansteigender Gebirgsmassen, tiefer Schlünde usf. Was passiert also beim Natur-Schauen: wir Menschenkinder stehen überwältigt vor einer rätselhaften Natur. Zugleich sind wir unfähig, den Sinn und Zweck dieser Naturerfahrung aus der Natur selbst herauszulesen: also eine Art von natur-ästhetisch induzierter Ratlosigkeit. Wir bilden uns den Schein ein und fühlen ein Mangel an Sein. Folgerichtig spricht Kant auch davon, dass das Wohlgefallen an der Erhabenheit negativer Art ist: die Einbildungskraft fühlt, dass das sinnliche Sein zu transzendieren, zu denken ist, findet aber kein Mittel dies zu bewerkstelligen. Das Subjekt muss auf die Vernunftebene wechseln und sich mit jenen Ideen eindecken, die die höhere Zweckmäßigkeiten des Naturschauspiels denkbar werden lassen (sich aber nicht empirisch zu realisieren vermögen; wie auch): nun erst wird die Natur erhaben.

Kurzum: Wir können den Sinn der Natur nicht aus der Natur empirisch herauslesen. Umgekehrt können unsere Vernunftideen den Zweck der Natur dieser auch nicht vorschreiben. Ausgehend von dieser Lücke - das Sinnliche bleibt defizitär, die Öffnung ein Mangel, die Differenz ein Mißstand - reagiert das kritische Subjekt mit der Projektionen eigener Ideen - das kann man dann erhaben nennen.

12. April 2015